Ernesto Handmann
Nachtigall und Nachtigäller
Ulkverse

Der kleine Gäller auf der Straße

Fliegt ein Habicht hin zur Brücke,   macht der Gäller flugs die Mücke.
Fliegenschwärme! Überall!   Wo bleibt bloß die Nachtigall?
Liegt sein Nest auf einem Hügel,   wer'n dem Gäller lahm die Flügel.
Wenn hier und dort 'ne Strophe tönt,   der Gäller mit dem Nachbarn klönt.
Ist lang das Lied und auch viel schriller,   ist das der Lerche hoher Triller.
Kann man den Gäller mal nicht hören,   will er die Lerche wohl nicht stören.
Kommst spät nach Hause du vom Ball,   nervt dich der Krach der Nachtigall.
Wenn ich morgens eins nicht mag,   ist das Nachtigallenschlag!
Die Nachtigall flennt manche Träne,   ist sie nächtelang alleene.
Den besten Gäller hier am Platze   - Gott, wie traurig! - fraß die Katze.
Bei Mondenschein am Weidenwege   pfeift die Nachtigall recht rege.
Liegen Federn bei der Eiche,   ist's 'ne Nachtigallenleiche.
Ist ein Nest aus reiner Eiche,   ist's 'ne Nachtigall, 'ne reiche.
Wenn der Wurm zu träge ist,   ihn der Nachtigäller frisst.
Vergeblich klopft der Nikolaus   zur Weihnacht an des Gällers Haus.
Der Nachtigallen ält'ste nur   sind heut noch ohne Abitur.
Sollt'st du die Nachtigall vermissen,   dann ist sie ja vielleicht mal müssen.
Rumms! Den Gäller wundert's: "Was war das?   Hier ist die Gegend ja aus Glas!"
'nen Looping dreht er, wunderbar   - der Gäller grad beim Flugtag war.
Die Nachtigall fährt mit der Bahn,   wenn sie nicht mehr fliegen kann.
Macht der Gäller zu viel Krach,   steigt die Katze ihm aufs Dach.
Die Nachtigall singt mit Verdruss,   weil sie heut zur Nachtschicht muss.
Die Nachtigall hat's mir verraten:   Am liebsten isst sie Schweinebraten.
Frisst ein Vogel wie ein Schwein,   kann's nur unser Gäller sein.
Die Nacht war lang; die Sonn' nun lacht;   die Nachtigall jetzt Frühstück macht.
Wer'n im Mai die Tage heller,   schmettern laut die Nachtigäller.
Ist es nächtens mild und trocken,   kann die Nachtigall frohlocken.
Still ruht der See. Der Mond scheint fahl.   Ganz einsam schluchzt die Nachtigall.
Die Nacht ist ruhig. Die Mücke summt.   Die Nachtigall ist grad verstummt.
Gewitterluft - die Bremse sticht.   Den Nachtigäller juckt das nicht.
Die Luft ist schwül; die Mücke schwirrt.   Die Nachtigall singt unbeirrt.
Ob Regen, Sturm - bei jedem Wetter   hört man das Nachtigall'ngeschmetter.
Bis Mai bleibt für ein halbes Jahr   die Nachtigall in Afrika.
Wenn der Gäller kräftig frisst,   der Sommer warm und trocken ist.
Ziehen fort die Nachtigallen,   bald die ersten Blätter fallen.



Der Urlaubsgäller

"Liebling", fragt der Gäller leise,
"kommst du mit auf Urlaubsreise?"
Überglücklich haucht sie: "Ja!"
Nun zieh'n sie nach Afrika.




Die Gällerdiebe
Mit Gällers Federn sich zu schmücken,
füllt manche Menschen mit Entzücken.
Die Verse ihn'n so sehr gefallen,
dass sie gleich stehl'n die Nachtigallen.
Sie rauben hier ganz wie die Raben,
ohn' irgendwelche Scheu zu haben,
und wildern hier ohn' Dank, ohn' Bitt'
und nehm'n die Verse einfach mit.
Sie tun, als wär'n sie große Dichter,
dabei sind sie nur kleine Lichter;
denn diese Gällerverse stammen
von Handmanns Homepage all' zusammen.
© Ernesto Handmann
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