Ernesto Handmann
Nachtigall und Nachtigäller
Ulkverse

Der Liebesgäller

Die Nachtigall hält strikt die Treu     'nem andern jedes Jahr aufs Neu.
Plagt Einsamkeit die Nachtigall,   dann geht sie auf den Sängerball.
Amselmann liebt Nachtigall!   Was ist das für ein Skandal!
Auch Nachtigallen mögen gerne   beim Kuscheln nur das Licht der Sterne.
Jedes Mädchenherz schlägt schneller,   singt im Park ein Nachtigäller.
Jedes Mädchenherz wird schwach,   schallt des Gällers Weh und Ach.
Ist leis' die Nachtigall zu hören,   lässt sich das Mädel leicht betören.
Singt die Nachtigall im Flieder,   löst das Mädel sacht das Mieder.
Hüllenlos, schön rund und drall:   Das ist eine Nackt-igall.
Hast im Bett du kalte Füße,   hol 'ne Nachtigall, 'ne süße!



Der Schmacht-Gäller

Weil Nachtilein ihn nicht beachtet,
der Nachtigäller furchtbar schmachtet,
Muss nächtens qualvoll drunter leiden.
Er wünscht sich gar dahinzuscheiden!

Keine Lieder er mehr schmettert,
einsam im Gebüsch rumklettert.
"Wenn sie doch jetzt zu mir käme,
mich in ihre Flügel nähme,

und mich kraulte und liebkoste,
bis ihr Herzblut heftig toste!
Tät' sie doch dicht zu mir rücken
und mich schnäbeln und beglücken!

Nachti! Ach! wärst du jetzt hier,
wärst ein bisschen lieb zu mir!
Laut säng' ich die schönsten Lieder
nur für dich und immer wieder."

© Ernesto Handmann



Der Chauvi-Gäller
Der Gäller klagt: "In diesem Leben
woll'n die Frau'n den Ton angeben."
    Ganz empört keift Nachtiliese:
    "Der braucht mal 'ne Analyse!"
"Von Frau'n wird diese Welt regiert",
stöhnt der Gäller resigniert.
    "So ein Chauvi!", schimpft Nachtie.
    "Der muss mal zur Therapie!"



Der Angel-Gäller
Wie geht es wohl der Angel-Tine?,
der Gäller fragt mit zager Miene.
Ist ihr Schopf noch grell und grün?
Will sie um die Häuser ziehn?
Zeigt sie noch die starke Power,
oder ist die Kraft nun flauer?
Ist sie Hausfrau oder gar
Mutter einer Kinderschar?
 
Zwar noch um Tine es sich handelt,
sie hat sich aber wohl gewandelt.
Trinkt nur noch Tee, färbt nichts mehr grün −,
doch das war durchaus abzusehn.
Denn eine Liebe war sie immer,
auch als sie rockte noch durchs Zimmer
und fetzte rum beim Rockkonzert;
doch dahin sie wohl nicht mehr fährt.
 
Ein kleines "g" bracht's an den Tag,
dass beiderseits man sich noch mag. − −
Zum Zeichen, dass ich an Dich denk',
mach' ich das "g" Dir zum Geschenk . . .
und hoffe auf ein Gegenstück,
das flattert bald zu mir zurück
als lieber Gruß von − − Angel-Tine.
Ich sing solang: trülü-trüline . . .
 
Der Gäller schluchzt wie eh und je,
bereitet damit Herzensweh!
Und seine Lieder sind so schön,
dass alle Mädchen bleiben stehn.
So vielen süßen Nachtigallen
ha'm seine Töne schon gefallen.
Mal war's Judith, mal Sophie −,
glücklich ward der Gäller nie.
Die Gällerdiebe
Mit Gällers Federn sich zu schmücken,
füllt manche Menschen mit Entzücken.
Die Verse ihn'n so sehr gefallen,
dass sie gleich stehl'n die Nachtigallen.
Sie rauben hier ganz wie die Raben,
ohn' irgendwelche Scheu zu haben,
und wildern hier ohn' Dank, ohn' Bitt'
und nehm'n die Verse einfach mit.
Sie tun, als wär'n sie große Dichter,
dabei sind sie nur kleine Lichter;
denn diese Gällerverse stammen
von Handmanns Homepage all' zusammen.
© Ernesto Handmann
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© Ernesto Handmann
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