|
Nachtigällers Nachtgedanken
Der Gäller liebt die Verse Heines,
schätzt dessen Sprache als was Feines.
Er mag auch Ironie und Scherz,
Verhunzung aber macht ihm Schmerz.
Ob Rheinlandfunk, ob andre Sender –
bei allen gibt's die Sprachenschänder,
die Heines Sprache bös' verbiegen
und dafür noch Tantiemen kriegen.
Im Blätterwald - als sei's 'ne Kunst -
wird auch nach Kräften rumgehunzt.
Es scheint, als ob die Journalisten
die Sprache gar verhunzen müssten.
Grammatisch völlig unbefangen,
ist vielen lebenslang entgangen
der zweite Fall, der Genitiv.
Sie plappern drum auch sehr naiv,
gedenken ungerührt den Toten,
die Post kommt spät wegen dem Boten;
dem Dativ sie sich stets bedienen. –
Man kann damit ganz gut verdienen.
Auch ist 'ne höchst beliebte Sache
der Feminismus in der Sprache.
Der hat die Totschlagskeul' geschwungen
und damit alle Köpf' bezwungen.
Die "Bürger" und die "Bürgerinnen"
sind längst in allen Schädeln drinnen.
Man glaubt, das sei korrekt und klug;
von solchen Beispiel'n gibt's genug:
mal "Eltern" plus die "Elterinnen",
"Mitglieder" und "Mitgliederinnen",
auch "Menschin" oder "Menschen/innen",
"Spaßvögel" samt den "-vögelinnen".
Man denkt, so etwas könnt nicht sein,
das käm' in keine Zeitung rein.
Doch weit gefehlt! Das gibt's tatsächlich!
So manches Hirn ist nun mal schwächlich.
Geschlechtlichkeit nur könn' es geben,
drum zwiegespalten wird das Leben.
Da wird es ganz besonders bitter
für alle unentschloss'nen Zwitter.
Sind's "Zwitter" oder "ZwitterInnen"?
Aus dem Dilemma zu entrinnen,
soll uns mal bitte jemand zeigen!
(Die Zwitter wird man wohl verschweigen.)
Man nimmt heut jeden Unsinn hin,
hängt nur korrekt am End' das "-in"!
Wie Heine wird in deutscher Nacht
der Gäller um den Schlaf gebracht.
© Ernesto Handmann
Nachtigällers Allerlei
Von Goethe, unserm großen Meister,
stammt dieser Spruch, so etwa heißt er:
"Die Nachtigall, sie war entfernt;
was Neues hat sie nicht gelernt."
Die Verse sind gemein von Goethe!
Die Nachtigall spielt so schön Flöte!
Auch der olle Theodor
stormte mit Gewalt hervor,
reimte glatt auf 'Nachtigall'
unbekümmert 'Widerhall'.
"Nachtigall'n", sprach Helmut Kohl,
"tun der deutschen Seele wohl.
Solche Vögel lieb ich sehr.
Wenn doch Jochen auch so wär'!"
|