Ernesto Handmann
Nachtigall und Nachtigäller
Ulkverse

Der Fimmelgäller

(Oder: Der wahre Erlkönig)

Nachtigäller - gibt's denn die?
Ist das nicht reine Phantasie?
Wie wär' es aber etwa, wenn?
fragten Brecht schon, Hesse, Benn.
Also - das ist guter Brauch -
mach ich, was die machten, auch.

Von Flensburg-Nord bis nach St. Gallen
bin Nachtigällern ich verfallen.
Es hilft auch nicht, davor zu flieh'n
Nach Dortmund, Chur, Venedig, Wien.
Es scheint, dass diese Vogelknaben
ganz wunderliche Kräfte haben;

denn sie mich ganz und gar verdattern,
weil sie mich Tag und Nacht umflattern.
Ich fing mir - fürchte ich jetzt schon -
eine Nachtigällerinfektion,
und die führt - du lieber Himmel! -
prompt zum Nachtigällerfimmel.

Kaum wird es gegen Morgen heller,
denk ich schon an den Nachtigäller.
Hör ich noch halb im Traum Geträller,
sind das die blöden Nachtigäller.
Herrgott, was mache ich denn bloß?
Lasst mich, ihr Nachtigäller, los!

Muss ich mich gar für die Gedanken
noch bei dem Federvieh bedanken?
Wenn Blutdruck stieg, meist diastolisch
begrinst es breit und diabolisch,
was ich um seinetwillen reim.
Ab morgen brauch ich Haferschleim,
um meinen Magen stillzulegen
-  und alles, alles seinetwegen!

Er geistert spät durch Nacht und Wind,
umgarnt des Vaters banges Kind
und sitzt versteckt im Nebelstreif,
der Gäller - mit Siren' und Pfeif'.
Der wahre Erlenkönig ist
der Nachtigäller, dass ihr's wisst!
Er narrte selbst den alten Goethe
mit seiner Nachtigällerflöte.

Auch Morgenstern, dem Christian,
hätt's unser Gäller angetan.
Der mocht' doch gerne phantasieren,
von seltsam fremden Fabeltieren,
vom Nasobem und Zapfenschwein
und was ihm Schräges fiel so ein.
Dem wär' des Gällers Federflaus,
des bin ich sicher, nicht zu kraus.

Und Buschens Wilhelm, Schillers Fritz,
hatten beide genug Witz,
wär'n verfallen diesem Tier,
das spukt durch diese Seiten hier,
das gällert, gurgelt, grunzt und fleht
und noch im Traume vor dir steht.
Der Gällerfimmel ist ein Wahn,
den keine Pille heilen kann.

© R. L. J. Herrmann und Ernesto Handmann
Die Gällerdiebe
Mit Gällers Federn sich zu schmücken,
füllt manche Menschen mit Entzücken.
Die Verse ihn'n so sehr gefallen,
dass sie gleich stehl'n die Nachtigallen.
Sie rauben hier ganz wie die Raben,
ohn' irgendwelche Scheu zu haben,
und wildern hier ohn' Dank, ohn' Bitt'
und nehm'n die Verse einfach mit.
Sie tun, als wär'n sie große Dichter,
dabei sind sie nur kleine Lichter;
denn diese Gällerverse stammen
von Handmanns Homepage all' zusammen.
Gereimelt ha'm sie mit viel Spaß
Herr- und Handmann. So ist das!
© Ernesto Handmann

Jedwede Art der Verbreitung, Veröffentlichung oder nichtprivaten Nutzung
der Nachtigallenverse nur mit Genehmigung des Autors!
© Ernesto Handmann
Ernesto Handmann
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