Ernesto Handmann
Nachtigall und Nachtigäller
Verse

Der DDR-Gäller

Nach dem "Wendeherbst" 1989

Nachtigallen floh'n aus Sachsen,
war'n der DDR entwachsen.
Auch zwei Nachtigall'n aus Plauen
war'n gen Westen abgehauen.

Fragt der Gäller STEFAN HEYM:
"Mach mir darauf einen Reim:
Niemand mag hier länger wohnen.
Leistung will sich hier nicht lohnen!

Wo der Sozialismus waltet,
werden alle gleichgeschaltet.
Alle werden gleichgemacht,
das lähmt jede Schaffenskraft.

Gleichheit führt zur Macht der Schwachen,
die die Bess'ren passiv machen.
Freiheit! Anreiz auch für Gute!
Das gefällt dem Schaffensmute!"

"Hier", spricht jener, "irrst du sehr.
Sozialismus ist viel mehr.
Gleichheit ist doch höchst gerecht
und nur für die Reichen schlecht.

Frieden, Freundschaft, Einigkeit,
Sozialismus bringt's so weit.
Alle Bürger werden seh'n,
einst wird's gut den Menschen geh'n.

Lasst uns nur sogleich beginnen,
allem Elend zu entrinnen!
Alles Glück nun vor uns liegt,
denn der Sozialismus siegt!"

Den Gäller graust' es fürchterlich.
Diese Phrasen mocht' er nicht!
Kannt' er sie doch allzu gut
und geriet darob in Wut:

"Einem Mann, der das noch glaubt,
hat man die Vernunft geraubt.
Und ein Dichter, der das sagt,
wird von Utopien geplagt.

Friede, Freundschaft, Eierkuchen!",
heftig fing er an zu fluchen,
"musst' den Unsinn täglich hören,
konnt' mich fast schon nicht mehr stören.

Meine Zukunft beginnt nun !
Ich will endlich etwas tun,
was mich weit nach vorne bringt.
Nur in Freiheit das gelingt!"

Sprach's empört und flog geschwind,
Richtung West mit Frau und Kind. —
Was für kluge Nachtigallen,
die auf keinen Schmus reinfallen!

Ernesto Handmann
(Nach dem "Wende-Herbst" 1989)
Des Gällers Albtraum

(Gut zwanzig Jahre später, 2010)

Zwar wich viel Zeit seit jener Wende,
doch ist der Wahnsinn nicht zu Ende.
Der Gäller fragt sich fassungslos:
Was ist bloß mit den Leuten los?

Wer'n denn die Linken niemals klug?
Ha'm sie noch immer nicht genug
von ihrem Sozialismuswahn?
Man hör' sich nur ihr Credo an:

"Die ganze Welt ist ungerecht,
denn vielen Menschen geht es schlecht.
Doch gibt es andrerseits viel Geld,
in dieser großen, reichen Welt.

Vermögen, Erbschaft, Eigentum
gereichen niemandem zum Ruhm.
Doch wenn man alles umverteilt,
sind Not und Elend schnell geheilt.

Und sparen, kürzen und Verzicht
lieben Menschen nun mal nicht.
Drum brauchen wir 'ne Reichensteuer –
für Arme gut, für Reiche teuer.

Her mit der Knete! Es wird Zeit!
Wir wollen jetzt Gerechtigkeit!
Und langt das nicht, darf man's nicht dulden,
dann machen wir halt neue Schulden.

Enteignen wir zuerst die Banken!
Das wird das Volk uns ewig danken.
Danach ist gleich die Presse dran,
damit sie nicht mehr lügen kann.

Voran! Auf, auf, zum letzt' Gefecht!
Erkämpfen wir das Menschenrecht!
Wir machen alle Menschen gleich,
am Ende ist ein jeder reich.

Ach! wird das schön in diesem Staat,
wo jeder dann das Gleiche hat!
In diesem Paradies auf Erden
die Menschen endlich selig werden.

Es wird sich niemand mehr beklagen,
und jeder wird das gleiche sagen,
und alle denken gleich korrekt —
dann ist die Welt total perfekt."

© Ernesto Handmann
 
Die Gällerdiebe
Mit Gällers Federn sich zu schmücken,
füllt manche Menschen mit Entzücken.
Die Verse ihn'n so sehr gefallen,
dass sie gleich stehl'n die Nachtigallen.
Sie rauben hier ganz wie die Raben,
ohn' irgendwelche Scheu zu haben,
und wildern hier ohn' Dank, ohn' Bitt'
und nehm'n die Verse einfach mit.
Sie tun, als wär'n sie große Dichter,
dabei sind sie nur kleine Lichter;
denn diese Gällerverse stammen
von Handmanns Homepage all' zusammen.
© Ernesto Handmann
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© Ernesto Handmann
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