Herbstlied
 1)

Bald fällt von diesen Zweigen
Das letzte Laub herab.
Die Büsch' und Wälder schweigen,
Die Welt ist wie ein Grab.
Wo sind sie denn geblieben?
Ach! sie sangen einst so schön -
Der Reif hat sie vertrieben,
Weg über Berg und Höh'n.

Und bange wird's und bänger
Und öd' in Feld und Hag;
Die Nächte werden länger,
Und kürzer wird der Tag.
Die Vögel sind verschwunden,
Suchen Frühling anderswo;
Nur wo sie den gefunden,
Da sind sie wieder froh.

Und wenn von diesen Zweigen
Das letzte Laub nun fällt,
Wenn Büsch' und Wälder schweigen,
Als trauerte die Welt -
Dein Frühling kann nicht schwinden,
Immer gleich bleibt dein Geschick,
Du kannst den Frühling finden
Noch jeden Augenblick.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874)


Erläuterungen, Hintergrund
1) Es gibt ein weiteres Gedicht des Verfassers mit der Überschrift "Herbstlied". Beide sind der umfangreichen Sammlung "Kinderlieder" aus dem Jahre 1877 entnommen.
(Anm. d. Hrg.)
Ernesto Handmann
herbstgedichte2arcor.de
Gedichte   Liebesgedichte   Naturgedichte   Herbstgedichte-2   Sinngedichte   Dichter   Kontakt www.gedichte.phantasus.de  
Gedichte Herbstgedichte Herbstgedichte Ernesto Handmann
Start   Gedichte   Liebesgedichte   Naturgedichte   Herbstgedichte-2   Sinngedichte   Balladen   Sonette   Dichter   Kontakt   herbstgedichte2arcor.de  
Schöne und besondere
Herbstgedichte
Herbstgedichte (2)