Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig' und Äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

d. 15ten Nov. 1759 1)

Friedrich Hölderlin
(1770 - 1843)

1) Erläuterungen
Die Datumsangabe stammt vom Verfasser und ist Bestandteil des Originaltextes.
Hölderlin war seit ca. 1802 in fortschreitendem Maße geistig erkrankt, schrieb aber dennoch weiterhin anspruchsvolle Werke. Er verfasste sie teilweise unter erdachten Namen, vor allem als "Scardanelli", und erfundenen Datumsangaben. Unter das Gedicht "Aussicht" setzte er z. B. die Worte:
    Den 24. März 1671. Mit Untertänigkeit | Scardanelli.
(Anm. d. Hrg.)
Ernesto Handmann
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