»Sunt animae rerum«
 1)

Thomas von Aquino

Ein gutes Wort musst du im Herzen tragen,
Und seinen Wert enthüllt dir eine Stunde:
Stets dringt dein Aug' nicht nach des Meeres Grunde,
An trüben tiefer als an hellen Tagen.

Zuweilen gibt ein lichter Blick dir Kunde
Von Herzen, die in toten Dingen schlagen,
Und wenn du nur verstehest, recht zu fragen,
Erfährst du manches auch aus stummem Munde.

Drum flieh aus deinem Selbst, dem starren, kalten,
Des Weltalls Seele dafür einzutauschen,
Lass dir des Lebens wogende Gewalten,

Genuss und Qualen, durch die Seele rauschen,
Und kannst du eine Melodie erlauschen,
So strebe, ihren Nachhall festzuhalten!

Hugo von Hofmannsthal
(1890)

Erläuterungen:
1) "Es gibt Herzen (Seelen) der Dinge." (Dinge haben eine Seele.)

Von Hofmannsthal erweitert hier auf tiefgründige Weise ein Thema der Romantik, das sich bereits in verklärender Form bei Eichendorff (1835) findet:
Wünschelrute
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
(Anm. d. Hrg.)
Ernesto Handmann
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