Psalm 23a (2021)

Der gute Hirte

In Memoriam Boxer, Clover (Kleeblatt) und Benjamin

Ich lebte gern in meinem Land. —

Der Staat ist mein Hirte.
Er hält seine schützende Hand über mich
und sorget sich um meine Gedanken.
Er saget mir, was ich tun und meiden solle,
und bewahret mich vor falschen Worten.
Er weiset mir den Weg zur richtigen Moral,
auf dass ich ein besserer Mensch werde.

Der Staat weidet sich an einem grünen Traume.
Er behütet das Klima vor dem Übel meiner Bedürfnisse.
Er vertrauet mir auf Straßen und Wegen,
wo er sorgsam wachet mit seinen allgegenwärtigen Augen,
dass ich nicht zu sehr eile und unrecht handle.
Fehle ich, gewähret er mir das Glück einer reinigenden Buße.

Der Staat ermuntert mich, das Sterben der Sprache der Dichter und Denker
klaglos zu begleiten.
Weise nennet er mich einen Bürger*in.
Er lehret die Jugend, die Kultur und guten Sitten der Altvorderen
nach seiner Art zu schätzen.
Die zerfallene Herde seines Volkes einet er in seinem Geiste
und bestimmet jedem einen neuen Platz,
einem jeglichen nach dessen Befindlichkeit.

Der Staat belohnet die Folgsamen mit Wohltaten aus seinem Füllhorn.
Die Abtrünnigen aber und Eigensinnigen
lässet er von eifrigen Scharen züchtigen,
und die Reichen führet er einer gerechten Behandlung zu.
Barmherzig teilet er die Früchte meines Fleißes mit aller Welt
und bringet mich und die Meinen demütig opfernd auf dem Altar
der Tochter des Königs Agenor, der vom Zeus entführten Geliebten, dar.

Der Staat ist mit mir.
Er ist mir gnädig und weiß, was gut ist für mich.
Denn er ist der Herr, und ich bin ihm untertan.
Seine Fürsorge führet mich an sein Ziel.
So fürcht' ich kein Unglück noch Not,
denn er schenket mir voll ein.

Doch fürcht‘ ich deine enge Umarmung, o Staat!
Dein Stecken und Stab lenken mich.

Ich werde ausharren im Hause des Staates immerdar.
Mir wird nichts mangeln —
außer dem erquickenden Wasser
der Freiheit.

Julius Aries (2021)
- - - -

Der 23. Psalm
Der gute Hirte

Ein Psalm Davids.
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele;
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest
mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden
mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des Herrn immerdar.

(Württembergische Bibelanstalt Stuttgart, 1962.
Nach dem 1912 vom Deutschen Evangelischen
Kirchenausschuss genehmigten Text)


Ernesto Handmann
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