Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meer erstrahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt;
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

Johann Wolfgang von Goethe
(1795)

Erläuterung, Hintergrund, Entstehung, Vertonungen
Das Gedicht "Nähe des Geliebten" entstand, nachdem Goethe im April 1795 das Lied "Ich denke dein" der ihm persönlich bekannten Lyrikerin Friederike Brun (1765–1835) gehört hatte. Zwar gefiel ihm die variationsreiche Melodie seines späteren Freundes Carl Friedrich Zelter (1758–1832), doch passte der Text der Friederike Brun seiner Meinung nach nicht zu der lebendigen Musik Zelters. Daher verfasste Goethe diese neue Textversion. Sie erschien im Jahre 1795 in Schillers "Musen-Almanach für das Jahr 1796". Goethes Liedtext wurde vielfach vertont, u. a. von Beethoven, Loewe, Schubert und Schumann.
(Anm. d. Hrg.)

Ernesto Handmann
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