Lebensanker

Nur eines kann mich halten noch im Leben
Und kann die dunkle Stunde weiterschieben:
Ein schrankenloses, weltvergessnes Lieben
Und Gegenliebe heischendes Bestreben.

Denn jeder, der das Dasein will ertragen,
Muss sich auf irgendeine Art berauschen,
Um nicht verzweifelnd und entsetzt zu lauschen
Der armen Erde wehevollem Klagen.

Dem einen wird im scharfen, reinsten Denken
Des Sonderdaseins seliges Vergessen,
Ein andrer muss den Schmerz in Wein ertränken;

Ich aber muss ein trautes Weib umpressen,
In heißer Liebe ihm die Seele schenken,
Wenn nicht, – so eines Abgrunds Tiefe messen.

Felix Dörmann

Ernesto Handmann
sonettearcor.de
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