EINSAMKEIT
 1)

Die ihr Felsen und Bäume bewohnt, o heilsame Nymphen,
    Gebet jeglichem gern, was er im Stillen begehrt!
Schaffet dem Traurigen Trost, dem Zweifelhaften Belehrung,
    Und dem Liebenden gönnt, dass ihm begegne sein Glück.
Denn euch gaben die Götter, was sie den Menschen versagten:
    Jeglichem, der euch vertraut, tröstlich und hilfreich 2) zu sein.

Johann Wolfgang von Goethe
(1790)


1) Erläuterungen, Entstehung, Hintergrund
Eine ältere Version dieser Verse findet man in Weimar im Park an der Ilm. Am parkseitigen Aufgang zum Römischen Haus wurde im Frühjahr 1782 eine Steintafel eingelassen, deren heutige Kopie folgenden Wortlaut hat (August 2006, Text in Großbuchstaben, ohne Überschrift):

DIE IHR FELSEN UND BAEUME BEWOHNET, O HEILSAME NYMPHEN,
GEBET JEGLICHEM GERN, WAS ER IM STILLEN BEGEHRT.
SCHAFFET DEM TRAURIGEN MUTH, DEM ZWEIFELHAFTEN BELEHRUNG
UND DEM LIEBENDEN GOENNET, DASS IHM BEGEGNE SEIN GLUECK.
DENN EUCH GABEN DIE GOETTER, WAS SIE DEM MENSCHEN VERSAGTEN,
JEDEM DER EUCH VERTRAUT, HUELFREICH UND TROESTEND ZU SEYN

Nach B. Mende in H. Seemann (Hrg.), Anna Amalia, Carl August und das Ereignis Weimar, 2007, S. 320, lautet der ursprüngliche Text des Epigramms:

Die ihr Felsen und Baeume bewohnet o heilsame Nymphen
    Gebet ieglichem gern was er im stillen begehrt.
Schaffet dem Traurigen Muth dem Zweifelhaften Belehrung
    Und dem Liebenden goennt daß ihm begegne sein Glyk
Denn euch gaben die Goetter was sie den Menschen versagten
    Jedem der euch vertraut  hylfreich und troestlich zu seyn

2) Schreibweise im Original (1790): hülfreich  

(Anm. d. Hrg.)

Ernesto Handmann
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