Ecce homo

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich!

Friedrich Nietzsche

Erläuterungen, Interpretation, Hintergrund:
1. Quelle
In einer umfangreichen autobiographischen Abhandlung Nietzsches mit dem Titel "Ecce homo" findet sich in dem Abschnitt "Die fröhliche Wissenschaft" ("la gaya scienza") aus dem Jahre 1882 (1887 erweitert) auch das kurze Gedicht "Ecce homo". Es ist enthalten im zweiten Teil des genannten Abschnitts, überschrieben "'Scherz, List und Rache'. Vorspiel in deutschen Reimen", der aus 63 kurzen Versdichtungen besteht. Unter der Nummer 62 ist das Gedicht "Ecce homo" aufgeführt.
2. Bedeutung und Ursprung
Die Worte "Ecce homo" (lat., "Sieh, ein Mensch", d. h. "Seht, was für ein Mensch!") entstammen dem Neuen Testament, und zwar dem Evangelium des Johannes, Kapitel 19, Vers 5. Mit diesem Ausdruck der Hochachtung erklärte der römische Statthalter von Judäa, Pontius Pilatus (26-36 n. Chr.) den gegen Jesus von Nazaret aufgebrachten Leuten, dass seiner Auffassung nach der festgenommene und mit einer Krone aus Dornenzweigen verhöhnte Jesus sich keines Vergehens schuldig gemacht habe.
Der Abschnitt der einschlägigen Bibelstelle (s.u. Vers 5) macht den Sinn der Worte aus ihrem Zusammenhang deutlich:
Johannes, Kap. 19, V. 1 - 6:
1. Da nahm Pilatus Jesus und geißelte ihn.
2. Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an,
3.  traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, lieber Judenkönig! und gaben ihm Backenstreiche.
4.  Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde.
5.  Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und ein Purpurkleid. Und Pilatus spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch!
6.  Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige! Kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm.
3. Interpretation: Weitere grundlegende Informationen zum Verständnis und für die Interpretation des Textes enthalten die Anmerkungen zu Nietzsches Gedicht "Sternen-Mora".
(Anm. d. Hrg.)
Ernesto Handmann
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