[Die schöne Nacht]
Die Nacht 1)

Gern verlass ich diese Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Tritte
Durch den ausgestorb'nen Wald.
Luna bricht die Nacht der Eichen,
Zephyrs melden ihren Lauf,
Und die Birken streu'n mit Neigen
Ihr den süß´ten Weihrauch auf.

Schauer, der das Herze fühlen,
Der die Seele schmelzen macht,
Flüstert durchs Gebüsch im Kühlen.
Welche schöne, süße Nacht!
Freude! Wollust! kaum zu fassen!
Und doch wollt ich, Himmel, dir
Tausend solcher Nächte lassen,
Gäb mein Mädchen eine mir.

Johann Wolfgang von Goethe
(1768)

1) Erläuterung, Entstehung, Hintergrund
Diese Frühfassung entstand 1768 in Leipzig ('Leipziger Lieder'); Erstdruck Oktober 1769. Goethe überarbeitete das Gedicht im Jahre 1789 unter der Überschrift "Die schöne Nacht". In diese Reihe gehört auch das Gedicht "Das Schreien".
(Anm. d. Hrg.)

Ernesto Handmann
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